Gruppeneinteilung

Workshops Gruppe A

1. Woche: Almut Ladisich-Raine
Kreative Medien

Der Einsatz kreativer Medien wie Malen, Collagen, Arbeit mit Ton etc. hat in der Gestalttherapie eine lange Tradition. Durch das unmittelbare starke Erfahrungspotential begegnen wir uns selbst auf non-verbale, weitgehend unzensierte Weise und unterstützen so authentische Selbst- und Gruppenprozesse. Wir folgen phänomengetreu und non-interpretativ dem Ent- stehen kreativen Ausdrucks und begleiten den Einzelnen mit Respekt und Faszination beim Erforschen seiner inneren Welt.

 

2. Woche: Hermann Wegscheider
Dialog und Intersubjektivität in der Gestalttherapie
Wie dialogisch-körperorientiertes Vorgehen in der Praxis angewandt werden kann

Der Dialog in der Psychotherapie läuft innerhalb einer intersubjektiven Matrix (ein Begriff von Daniel Stern) ab. Dabei werden wechselweise Informationen und Kontakte auf sprachlicher und körperlicher Ebene verknüpft. Diese beiden Ebenen beinhalten auch Symbole/innere Bilder und Emotionen. Martin Buber, Maurice Merleau-Ponty und Emmanuel Levinas haben diese auch für GestalttherapeutInnen relevanten Zusammenhänge in ihren dialogphilosophischen Überlegungen untersucht. Im Workshop wird z. B. das Pendeln zwischen dem Buber´schen „Ich-Du“ und „Ich-Es“ und der intersubjektive Zusammenhang von Sprache und Körpersprache thematisiert. Anhand von praktischen Übungen wird die Arbeit in der intersubjektiven Matrix gezeigt. Das Miteinbeziehen der körperlichen Prozesse in den Dialog ermöglicht eine Begegnung im gemeinsamen Wir-Feld und zeigt, wie sowohl die KlientInnen als auch die TherapeutInnen in heilsamen und gegenseitigen Prozessen miteinander lernen können. 

 

Workshops Gruppe B

1. Woche: Anna Ritter*
Love, Dependency and Boundaries

Something which starts from love can sometimes evolve into deep dependency. It can happen in different sorts of relations: between mother (or father) and child, in relations with the partner and others. Phenomenon of dependant behaviour is much wider than chemical addictions: in the modern world we face a lot of eating disorders, games dependencies, internet addictions as well as psychological emotional dependencies, dependent relations in couples and families. In this workshop we will focus more on psychological dependencies than chemical ones. Where does it come from and what are the roots of emotional dependencies? What are the phenomenon of emotional dependent behavior? How does the contact cycle of a dependent person look like? What could be the main strategies in psychotherapeutic work? We will combine self experiental work, group work and theoretical lectures. Theory about dependent behaviour, emotional dependency, attachment theory on the background of gestalt therapy will be presented. The topics and the way of working will be related to the needs of the participants and the process of the group. 

*Seminar in englischer Sprache

 

2. Woche: Werner Gill
Gestalttherapie „To suffer one’s death and to be reborn is not easy“. (Fritz Perls)

Die Gestalttherapie bietet die einzigartige Möglichkeit, Einzeltherapie und Gruppentherapie in einem Setting zu verbinden. Der Vormittag wird der Gruppentherapie vorbehalten sein, am Nachmittag Einzeltherapie in der Gruppe. Selbsterfahrung, Methodik und Theorie.

 

Workshops Gruppe C

1. Woche: Winfried Wagner
Leibesbeziehungen – Leibphänomenologisches Arbeiten mit Körperselbstbildern

Menschliches Leben ist immer leibhaftiges Leben. Unter Leib verstehe ich hierbei den belebten und beseelten, den erlebten und gelebten Körper im Unterschied zum leblosen Körper der Naturwissenschaften. Unsere Bedürfnisse, Gefühle und Stimmungen und ihre Ausdrucksmöglichkeiten sind ebenso leibliche Phänomene wie Entwicklungsprozesse und zwischenmenschliche Begegnungen. In der Beziehung zur eigenen Leiblichkeit und in unserem Körperselbstbild offenbart sich unser Selbst- und Weltbezug. Ein Anliegen der (Klinischen) Gestalttherapie als eine existentialistisch-phänomenologische Methode besteht u. a. darin, uns wieder an unsere Leiblichkeit „rückzubinden“, einen leiblich erspürten Sinn für sich selbst und die Welt zu entwickeln. Die leibphänomenologisch orientierte Arbeit mit dem Körperselbstbild und -erleben ist somit von enorm diagnostischer und therapeutischer Relevanz. Die TeilnehmerInnen werden selbst ein Körperselbstbild malen und damit arbeiten, sowie Körperselbstbilder von Patienten mit unterschiedlichen Störungsbildern kennenlernen.

 

2. Woche: Ulla Schorn
Tanz und Gestalttherapie 

Anna Halprins Zugang zum Tanz, aus der Begegnung mit Fritz Perls entstanden, beschreibt einen kreativen Weg, der die künstlerischen Medien des Tanzens, Malens und kreativen Schreibens zu einem umfassenden Ausdrucksprozess verbindet. Ausgangspunkt ist die Entwicklung leiblicher Spürfähigkeit, die durch das Öffnen der Sinne innere Bilder erschließt. Gemalte Bilder führen den Tanzenden in die leibliche Erfahrung einer Gestalt, durch die eine Sinnfindung im Raum jenseits von Sprache möglich ist. Bewegte Begegnungen an der Kontaktgrenze zwischen Ich – Du und Wir erweitern den Fokus individueller Erfahrung und führen auf einem behutsamen Weg zu einer handelnden Auseinandersetzung mit aktuellen Lebensfragen.

 

Workshops Gruppe D 

1. Woche: Klaus Engel
Arbeit an der Herkunftsfamilie

Ausgehend von einer Fokussierung auf offene Fragen im Hier-und-Jetzt im Kontext ihrer Herkunftsfamilie erhalten die TeilnehmerInnen Möglichkeit und Anregung, zur Klärung dieses Anliegens sich ihrer Ursprungsfamilie mit Neugierde und Respekt zuzuwenden. Die Herkunftsfamilie kann generationsübergreifend als dynamischer Hintergrund sowohl blockierend und verstrickend auf die persönliche Entwicklung einwirken, wie auch als Ort (verschütteter) Ressourcen und Kraftquelle nutzbar werden. Auf Basis einer Verbindung von Gestaltarbeit und systemischem Ansatz kann zur Klärung dieses Anliegens mit Familienskulpturen, Familienfotos, Malen, Objekten aus der Kindheit und dem Genogramm ( falls verfügbar ) gearbeitet werden.

Die Teilnahme am Pflichtseminar „Familiendynamik“ ist nicht Voraussetzung für diesen Workshop. 

 

2. Woche: Prisca Buonvicini
Gestalttherapie und Kreative Methoden

In der Kunsttherapie können auf einer nonverbalen Ebene Wahrnehmungen und Erleben mit Malen und Gestalten dargestellt werden. Beim Gestaltungsprozess entwickelt sich nebst der vordergründigen Figur immer auch das dazugehörige Umfeld. Wir werden daher die Aufmerksamkeit sowohl auf die Figur im Werk als auch auf den Hintergrund lenken und Informationen erhalten, die zu weiteren Selbsterkenntnissen führen. Mit mitfühlender Selbstakzeptanz und Selbstfürsorge werden wir unbekannten oder ich-widrigen Selbstaspekten begegnen. Dem Gestaltungsprozess folgend, werden immer wieder Eindrücke, Resonanzen und Impulse nach Aussen projiziert und im Werk ausgedrückt. Dazu stehen verschiedene Materialien und Gestaltungstechniken zur Verfügung. Die Erfahrungen und Werke werden in der Gruppe gezeigt, um Bewusstheits- und Integrationsprozesse zu fördern und das Erleben von Zugehörigkeit und Akzeptanz zu stärken. 

 

Workshops Gruppe E

1. Woche: Colette Jansen-Estermann
Interkulturelle Gestalttherapie

In der heutigen Zeit haben sowohl die Reisefreudigkeit als die Migration und die Zahl der Flüchtlinge infolge von Krieg enorm zugenommen. Diese gesellschaftliche Entwicklung hat gewisse Konsequenzen für unsere Arbeit als GestalttherapeutInnen. Neuerdings wird eine interkulturelle Kompetenz von uns erwartet und gefordert. Wir sind immer um Kontakt bemüht und bereit, auf die Einzigartigkeit unseres Gegenübers einzugehen. Allerdings sind wir in der westlichen Kultur verankert und stoßen an unsere Grenzen. Ein/e DolmetscherIn ermöglicht zwar das Gespräch, aber stiftet auch Verwirrung. In der Arbeit mit Menschen aus einer anderen Kultur gibt es Momente der Nicht Begegnung, die wir nicht in Worte fassen oder verstehen können. Im Workshop bereiten wir uns auf solche Dissonanzen im Kontakt vor und lernen, diese zu erkennen und adäquat darauf zu reagieren. Wir werden uns mit unserem Selbstbild und Menschenbild, unseren Projektionen und Introjekten auseinandersetzen. Schließlich fragen wir uns, ob wir einen horizontalen Dialog pflegen, und wie viel Fremdheit wir aushalten können, ohne zu vereinnahmen. Einerseits stellt das Thema der Interkulturalität uns vor eine Herausforderung, andererseits bietet es die Möglichkeit einer Horizonterweiterung und persönlichen Reifung. 

 

2. Woche: Georg Pernter
Wachsendes Gewahrsein – gewahrendes Wachsen

Der genetische Code der Gestalttherapie beinhaltet wesentlich Gewahrsein. Awareness gilt als Basiskonzept und zentrales Ziel der Gestalttherapie. [Gleichzeitig gehört sie als Schlüsselkonzept zu den am meisten missverstandenen Schlüsselkonzepten.] Therapie – bemerkte Laura Perls sinngemäß – besteht nicht auf genauen, festgelegten Techniken, „sondern auf dem ständig wachsenden Gewahrsein der Beteiligten für sich selbst und füreinander. Dieses Gewahrsein führt zur Integration und zur Versöhnung von zuvor unvereinbaren Erfahrungen“. Fritz Perls betonte öfters die Erfahrung der je eigenen Mitte und wollte von der Anbetung des Unbekannten zur Phänomenologie des Gewahrseins kommen. Mit diesem Fokus werden wir uns im Workshop beschäftigen. Der Tenor: die Flamme der Neugier hüten, wach werden mit allen Sinnen, körperorientiert, lautlos sprechend (F. Perls) ... uns überraschen lassen [– mit Ernst und Humor –] von den kleineren und größeren „Aha’s“ bzw. von der Wandlung, die hoffentlich geschieht und erfahrbar wird.

 

Workshops Gruppe G

nur in der 2. Woche vom 6. bis 10. August 2018 (Teilnehmerbegrenzung auf 8 Personen)
Albert Widmann
Gestalt finden in und mit Steinen

Der Perspektiv-Wechsel ist in der Bildhauerei das am häufigsten gebrauchte „Werkzeug“, er hilft uns durch die Wiederholung der Anwendung Dinge aus einer anderen Perspektive zu betrachten, neue Aspekte zu entdecken, andere Haltungen zu gewinnen, neue Handlungen zu wählen.

Wie wird eine harte Arbeit weich?
Wie wird eine schwere Aufgabe leicht?
Wie wird ein komplexes Problem kleinschrittig gelöst? 

Fragen, die sich stellen und wie beiläufig eine Antwort finden, gleichgültig vom persönlichen Ziel, an dem die Schaffenden arbeiten:

 

III einem Mark-Stein im Fluss des eigenen Lebens,
III einem Gedenk-Stein für einen geliebten Menschen,
III einem Forschungs-Projekt, in dem unterschiedliche Persönlichkeits-Anteile eine Gestalt finden,
III einem Kraft-Stein für persönliche Vorhaben,
III einer Beziehungs-Metapher,
III einem Familien-Stein oder
III einem Zentrierungs-Objekt, in Form einer Kugel.

 

Wo im Inneren manchmal Unfassbares oder Unaussprechliches ist, entsteht im Äußeren ein anzufassendes Etwas aus Stein. So wird Begreifen jenseits von Begriffen in einem sehr elementaren Sinne möglich. Der Stein schenkt Entschleunigung, Vertiefung und uns am Ende einen kraftvollen Anker für den Alltag. Es sind weder handwerkliche noch künstlerische Vorerfahrungen erforderlich. Alle notwendigen Werkzeuge werden von mir zur Verfügung gestellt und deren Umgang von mir vermittelt. Die Steine werden zum Einkaufspreis nach kg abgewogen und vor Ort bezahlt.