Bis 30.06.2020
Frühbucherrabatt
390 Euro


Anschließend 420 Euro

Samstag, 10. Oktober 2020

8.45 Uhr
Begrüßung
Moderation: Dorothee Lengsfeld und Georg Pernter


9.00 – 10.15 Uhr
The stranger at the door. Towards a field perspective in clinical practice
Vortrag von Gianni Francesetti

The field concept has been used in psychotherapy in a variety of ways by different authors, but also in a variety of ways by the same authors at different times. Without clarifying the meaning of the term, the risk is to create a Babylonian confusion in which it is often unclear what we are talking about. The impact of a field perspective in psychopathology, diagnosis and psychotherapy can be revolutionary in its consequences on how the therapist approaches the session and conducts therapy. The differences between a personal, a dialogical and a field theory paradigm will be discussed. This perspective helps us to understand the therapeutic work in a radically relational light and to describe the transference and counter transference phenomena according to Gestalt therapy theory.

Gianni Francesetti
Honorarprofessor an der Universität von Turin, Abt. Psychologie, Psychiater und Gestalttherapeut, international tätiger Gestalttherapie-Ausbildner und Supervisor sowie Ausbildungsleiter des „International Training on Gestalt Approach to Psychopathology“. Präsident von Poiesis, Turiner Gestalttherapie-Zentrum, Co-Direktor des IPsiG (Istituto Internationale di Psicopatologia e Psicoterapia della Gestalt), Past-Präsident der EAGT (Europäischen Vereinigung für Gestalttherapie) sowie der SIPG (Società Italiana Psicoterapia della Gestalt) und der FIAP (Federazione Italiana delle Associazioni di Psicoterapia). Vielfältige, Praxis-, Lehr- und Kongress-Tätigkeit. Francesetti ist Autor von zahlreichen Fachpublikationen über Depression, Angst, u.a. auch Herausgeber des internationalen Handbuches „Gestalttherapie in der klinischen Praxis“, das in mehreren Sprachen vorliegt.


10.15 – 11.30 Uhr
Von Fledermäusen, Scheunen und Fallschirmen: Per Anhalter durch die moderne Einfühlungsforschung
Vortrag von Annette Hillers-Chen

Empathie ist wieder einmal in aller Munde. In den letzten 10 Jahren überholen sich sämtliche wissenschaftliche Fachrichtungen gegenseitig mit immer neuen Befunden und Annahmen zu diesem Themenfeld, so dass man leicht den Überblick verlieren kann. Wo ist vor lauter Empathie die Einfühlung geblieben oder wie hat sich das Konstrukt über die Zeit verändert? Ist das Erleben von Gefühlen an sich schon eine Fähigkeit? Trägt unser „Sich-in-andere Hineinversetzen“ wirklich zu einem besseren gegenseitigen Verständnis bei? Und was ist los mit den viel zitierten Spiegelneuronen: Ein „Mythos“, dem wir nicht weiter aufsitzen sollten? Lassen Sie sich mitnehmen auf einen Streifzug durch die Gedankengänge der modernen Einfühlungsforschung.

Annette Hillers-Chen
Dr. phil., Dipl.-Psych., ist Associate Professor für Angewandte Psychologie und Gestalttherapeutin am Institut für Psychologie und Verhaltenswissenschaften der Universität Zhejiang, Volksrepublik China, mit den Schwerpunkten Psychologie an der Schnittstelle von Kultur, Akkulturations- und Gestalttherapieforschung; seit 2009 hat sie die China-Kooperation des IGW in Nanjing mit aufgebaut und begleitet.

 

12.00 – 13.00 Uhr
Fritz Perls – der Hungertrieb – damals – heute – morgen
Vortrag von Johann Christian Bachl

Ein großes Verdienst von Fritz Perls ist die detaillierte Beschreibung organismischer Vorgänge (die er bereits in seinem ersten Buch „Das Ich, der Hunger und die Aggression“ herausarbeitet) womit er damals eine explizite Gegenposition zur weit verbreiteten Triebtheorie Sigmund Freuds einnahm. Aus genauer Beobachtung und analogen Schlussfolgerungen, z.B. des Prozesses der Nahrungssuche und Nahrungsaufnahme am Beispiel des Stillvorganges, definierte Perls den Hungertrieb, der durch aktuelle Forschungen (z.B. selfish brain – Achim Peters, Lübeck) bestätigt wird. In einer ganzheitlichen, organismischen Sichtweise wird die willkürliche Trennung von körperlichen und seelischen Prozessen überwunden und die permanent ablaufenden Regulationsvorgänge im menschlichen Organismus neu verstanden. Aus dem entweder körperlich oder seelisch wird ein „Und“, das die enge Verwobenheit von körperlichen und seelischen Prozessen als permanent ablaufende Funktionen unseres Nervensystems, Immunsystems und unserer Organe beschreibt und begreift. In meinem Vortrag möchte ich den aus heutiger Sicht bahnbrechenden Ansatz von Fritz Perls würdigen, der damals einen Paradigmenwechsel einleitete, der sich bis heute fortsetzt. Der Hungertrieb ist für unser Überleben als menschliche Organismen von eminenter Bedeutung. Die Gleichzeitigkeit von erstem Sattwerden und erster Kontakterfahrung außerhalb des Mutterleibes prägt nachhaltig unser Ernährungs- und Beziehungsverhalten. Die hohe Variabilität an neurogenen Verschaltungsprozessen basierend auf diesen beiden Erlebnisqualitäten formt wesentlich unser individuelles Erscheinungsbild.

Johann Christian Bachl
Dr. med. IGW-Lehrtherapeut, Psychotherapeut (ECP), Psychotherapeut für Integrative Gestalttherapie und Facharzt für Innere Medizin. Jahrelange Weiterbildung und Zusammenarbeit mit Dr. Hildegund Heinl (Wegweiserin einer psychosomatischen Orthopädie und Pionierin für ein psychologisches Verständnis körperlicher Schmerzen). Zusatzqualifikationen: Psychosomatische Medizin und Psychotherapeutische Medizin (ÖÄK-Diplom). Therapeutische Arbeitsschwerpunkte in seiner freien Praxis: Angst- Panikattacken, Depression, Ess-Störungen, Psychosomatik. Als Arzt tätig an einem öffentlichen Krankenhaus in Wien.


15.00–16.30 Uhr Workshops


W01 | Teil 1 Hermann Wegscheider Ich-Du und die/der Andere – Die Bedeutung Bubers und Lévinas für die Gestalttherapie

„Ich werden am Du…Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, schreibt Buber. Bei Lévinas entsteht ethische Verantwortung aus der Andersheit der/des Anderen.
Die Dialogphilosophien von Buber und Lévinas sind geprägt von einer humanen Grundhaltung, die die/den Andere(n) in ihrem/seinem So-Beschaffen-Sein annimmt.

Wie diese Ansätze zu gestalttherapeutischen Interventionen führen können, wird in Mini-lectures und praktischen Übungen vermittelt.

Hermann Wegscheider
Dr. Studium der Psychotherapiewissenschaft (Dissertation „Dialog und Intersubjektivität in der Gestalttherapie“), Geschichte und Anglistik. Psychotherapeut IG, Lehrtherapeut und Ausbilder für Integrative Gestalttherapie. Vorsitzender des IGWien (Institut für Integrative Gestalttherapie Wien). Seit 1990 in freier Praxis als Gestalttherapeut, Coach und Berater von Organisationen. Lektor an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien (SFU).

W02 | Teil 1 Hermann Paur und Daniel Ritter „Das einzig Beständige ist der Wandel“ (Heraklit)

Das Mensch-sein und damit auch die Psychotherapie als Behandlungsform verändern sich im Laufe der Zeit. Doch wer oder welche gesellschaftlichen Einflüsse bewirken diese Metamorphose?
Ist der Wirkfaktor „Beziehung“ ein Auslaufmodell? Ein Versuch mit rollentheoretischen Überlegungen und anhand von Filmsequenzen den Beruf des/der Psychotherapeut*in von gestern, von heute und von morgen zu zeichnen.

Hermann Paur
BA, Mag., Psychotherapeut in freier Praxis, Studium der Psychotherapiewissenschaft. Absolvent der Meisterschule für Kunst und Gestaltung

Graz.Daniel Ritter
MMMag. Dr. Jurist, Dramaturg, Mediator, Psychotherapeut in freier Praxis in Wien, Leiter von Sintem – Interkulturelle Traumatherapie

W03 | Teil 1 Andreas Conca Gibt es 2525 noch eine Psychiatrie und werden Psychopharmaka noch eine Rolle spielen?

Psychiatrie 2525 … ist es wahr, dass das bio-psycho-soziale Modell immer noch ein valides Erklärungsmuster und die Basis für ein empirisches Behandlungskonzept psychischer Störungen ist? Welche Rolle wird dann 2525 die Globalisierung, der Klimawandel, das Digitale und die Künstliche Intelligenz bis 2525 spielen? Werden wir das Beziehungsorgan Gehirn in seiner epigenetischen Veränderung vorhersehen können oder müssen wir auch dem Zufall eine Chance geben, einem Phänomen das zunehmend wissenschaftliche Basis erfährt? Psychische Störung wie Angst, Depression und Schizophrenie werden 2525 nicht mehr existieren: spezifische und sensitive bio-psycho-soziale Vorbeugungen werden dafür sorgen. Hingegen werden transgenerationelle und migrationsbedingte Identitätskrisen neue/alte Formen von Persönlichkeitsentwicklungen und den damit verbundenen Störungen bedingen. Auch die Wissensnivellierung wird darauf Einfluss nehmen. Neue soziale und affektive Intelligenz werden nebst der KI Zieldomänen der Gesellschaftsentwicklung 2525 sein und die Psychiatrie oder wie immer die grenzüberschreitende Disziplin heißen wird, wird ihren fixen Platz dabei einnehmen.

Andreas Conca
Univ. Prof., Direktor des psychiatrischen Dienstes im Gesundheitsbezirk Bozen Koordinator des landesweiten Dienstes für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie.

W04 | Katharina Martin und Anna Martin Vom Offensichtlichen zum Verborgenen

In der Gestalttherapie gehen wir vom Offensichtlichen aus, wie Fritz Perls sagte. Was aber
“offensichtlich“ ist, wird immer von der Art des Betrachtens abhängen. Ich habe mich mit der Frage beschäftigt, ob die Grundprinzipien und -techniken der Gestalttherapie nicht auch die Türen zum Geheimen, Verborgenen – gar Numinosen öffnen können. Das heißt, ob es nicht eine der Gestalttherapie innewohnende Spiritualität gibt, die ins Bewusstsein gebracht und beschrieben werden könnte und die sich an der organismischen Selbstregulation orientiert, an den Prozessen der Einzelnen und dabei ohne Zwang, ohne hierarchische Struktur, frei und verbunden angelegt ist. Dazu habe ich mich intensiv mit verschiedenen Quellströmen der Gestalttherapie beschäftigt und einen Satz von Übungen herauskristallisiert. Durch diese eher meditative Arbeit können innere Ressourcen sowohl für Klient*innen als auch Therapeut*innen erschlossen werden, die für manche zukünftigen Fragen Unterstützung bieten können. Davon wird dieser Workshop handeln – mit Übungen zur Einführung

Katharina Martin
Dipl. Psych., Mitbegründerin des IGW, führte Gestalt-Kunsttherapie im deutschen Sprachraum ein. Beschäftigt sich seit über 40 Jahren mit Zen und anderen spirituellen Lehren. Entwickelte einen eigenen Weg, Elemente davon in die Gestaltarbeit zu integrieren: Innere Gestaltarbeit oder Essentielle Gestaltarbeit. Katharina Martin ist seit 1971 in der Ausbildung von Psychologen und verwandten Berufsgruppen in Deutschland, Schweiz und Österreich tätig. Dazwischen zehn Jahre Lehrtätigkeit an der Päd. Hochschule Freiburg für Gestaltpädagogik und Gestaltberatung im Rahmen eines Sonderprogramms. Mitentwicklung eines Programms für Achtsamkeitsausbildung, Entwicklung des Programms „Metaqualitäten für Therapeuten“ und von gestaltpädagogisch orientierten Eltern-Kursen. Lehrtherapeutin für Gestalt- und Gestaltkunsttherapie. Lehrsupervisorin.

Anna Martin
Dr. Martin ist Indologin und Iranistin und wurde mit der Arbeit „Übersetzung als Kultureller Transfer“ zum Thema indo-persische Weisheitsliteratur promoviert. Mehrjährige Tätigkeit als Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrbeauftragte an der Universität Marburg, Vorträge auf internationalen Kongressen und Organisation von Konferenzen. Als angehende Gestaltberaterin gilt ihr besonderes Interesse den kreativen Techniken in der Beratung und der transkulturellen Gestaltarbeit. Sie entwickelt zusammen mit Katharina Martin Wege zur Integration von Elementen spiritueller Lehren in die Gestaltarbeit und der Adaption spezieller, Gestalt-affiner Inhalte alter Weisheitstraditionen.

W05 | Teil 1 Gabriela Frischknecht und Heiner Lachenmeier ADHS bei Erwachsenen und Gestalttherapie

Im Workshop wird ADHS beleuchtet von neurobiologischer wie psychologischer Sicht und die sich daraus ableitenden Grundsätze in der (gestalt-)therapeutischen Behandlung. Im Fokus stehen das Verstehen der funktionellen Abläufe und das spezifische Kontakterleben der Betroffenen wie des sozialen Umfeldes (inkl. der Therapeut*innen).

Themen des Workshops

  • Was ist ADHS, oder besser: wie funktioniert ADHS?
  • ADHS als Normvariante des Menschseins mit möglichen Schwierigkeiten und konflikthaften psychischen Entwicklungen
  • Bedeutung von ADHS auf die Selbstwahrnehmung
  • Einfluss von ADHS auf Kontaktzyklus, Kontaktfunktionen und Kontaktunterbrechungen
  • Grundsätzliches bei der therapeutischen Bearbeitung von Problemen aufgrund von ADHS im Vergleich zur therapeutischen Bearbeitung von Problemen aufgrund psychodynamischer Konflikte
  • Das konkrete therapeutische, insbesondere gestalttherapeutische Vorgehen bei ADHS
  • Überlegungen zu medikamentösen Möglichkeiten

Heiner Lachenmeier
Dr. med., Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie; Ehrenmitglied Aargauische Gesellschaft für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie. Seit 1993 eigene Praxis in Affoltern am Albis. In 90er Jahren Aufbau und Leitung des schweizerischen Ausbildungsinstitutes für analytische Kurztherapie. Seit 2000 intensive Beschäftigung mit ADHS bei Erwachsenen inkl. Praxisforschung, Vortrags- und Supervisionstätigkeit. Seit 2011 ärztlicher Supervisor am igw Schweiz.

Heiner Lachenmeier hat in rund 20-jähriger Arbeit die Gesetzmäßigkeiten und die Funktionsweise der ADHS erforscht und daraus spezifische Vorgehensweisen für die Therapie entwickelt.

Gabriela Frischknecht
Lic. phil., Fachpsychologin für Psychotherapie FSP. Ausbildung in Gestalttherapie am IGW, Fortbildungen im Katathymen Bildererleben, intensiv psychodynamischer Kurztherapie und Achtsamkeits-Meditation. Lehrauftrag an der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege, langjährige psychotherapeutische Tätigkeit an der Universitäts-Kinderklinik Zürich sowie in einer Praxis. Seit 2005 in psychiatrisch-psychotherapeutischer Gemeinschaftspraxis. Seit 2006 Ausbilderin für das IGW, seit 01.01.2012 Gesellschafterin des IGW und Mitglied der Ausbildungsleitung des igw Schweiz.

Gabriela Frischknecht hat in langjähriger Zusammenarbeit die Grundsätze der Gestalttherapie dazu kombiniert und das Behandlungskonzept verfeinert.

W06 | Gianni Francesetti Panic disorder: convergences between a Gestalt therapy perspective and Affective Neurosciences.

Panic disorder is one of the most widespread sufferings in the postmodern context and they are a difficult challenge for psychotherapists. There is general consensus in considering panic attack (PA) as an exaggerated fear response triggered by intense activation of the amygdala and related FEAR brain network. Current guidelines for treatment (e.g. NIH, NICE), that are based on this view, do not achieve satisfactory results: one-third of all treated patients report persistent PAs and other PD symptoms, and several meta-analyses report the high likelihood of relapse. I will discuss the convergences between affective neurosciences and the phenomenological-gestalt perspective in order to propose a new understanding: according to it, PA can be considered as an acute attack of solitude which is not adequately recognized by the patient due to the intervention of a dissociative response. This perspective can explain many evidences that otherwise remain isolated elements without a comprehensive frame. This clinical understanding is the result of the phenomenological research published in the book ‘Panic attacks and postmodernity. Gestalt therapy between clinical and social perspective’, G. Francesetti (Ed.), F. Angeli, Milan, 2007.

Gianni Francesetti
Honorarprofessor an der Universität von Turin, Abt. Psychologie, Psychiater und Gestalttherapeut, international tätiger Gestalttherapie-Ausbildner und Supervisor sowie Ausbildungsleiter des „International Training on Gestalt Approach to Psychopathology“. Präsident von Poiesis, Turiner Gestalttherapie-Zentrum, Co-Direktor des IPsiG (Istituto Internationale di Psicopatologia e Psicoterapia della Gestalt), Past-Präsident der EAGT (Europäischen Vereinigung für Gestalttherapie) sowie der SIPG (Società Italiana Psicoterapia della Gestalt) und der FIAP (Federazione Italiana delle Associazioni di Psicoterapia). Vielfältige Praxis-, Lehr- und Kongress-Tätigkeit. Francesetti ist Autor von zahlreichen Fachpublikationen über Depression, Angst, u.a. auch Herausgeber des internationalen Handbuches „Gestalttherapie in der klinischen Praxis“, das in mehreren Sprachen vorliegt.


16.30–17.00 Uhr Pause


17.00–18.30 Uhr Workshops


W07 | Alexander Wieser und Brigitte Herzinger Du bist, was du isst. Psychotherapie und Ernährung (als Performance und Selbstoptimierung)

Du bist was du isst, oder du isst was du bist?
Ernährung und Kultur, Geschichte, Psychologie, Soziologie und Medizin. Die eigene Ernährungsidentität und gegenwärtige Ernährungsformen. Wo liegen hier die Zusammenhänge und eventuelle Anknüpfungspunkte mit der Psychotherapie? Das wollen wir nach einer kurzen Einführung gemeinsam diskutieren.

Alexander Wieser
Psychotherapeut in Ausbildung unter Supervision, Methode: Integrative Gestalttherapie. Vielfältige berufliche Erfahrungen in leitenden Funktionen in der Gastronomie und Hotellerie (1989-1999), in der Lebensmittelindustrie und im Einzelhandel (1999-2012), sowie im Eventmanagement (seit 2010). Magisterarbeit zum Thema „Ernährung in der Psychotherapie – Ein interdisziplinärer Wissenstransfer für neue Perspektiven in Theorie und Praxis“ (2019).

Brigitte Herzinger
Mag., Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision (Integrative Gestalttherapie). Studium der IBWL, seit 16 Jahren Tätigkeit als Personal- und Organisationsentwicklerin mit und ohne Personalverantwortung, Kundalini Yoga Lehrerin, großes persönliches Interesse an zeitgemäßen Ernährungsformen und Ernährung im spirituellen Kontext.

W08 | Teil 2 Hermann Wegscheider Ich-Du und die/der Andere – Die Bedeutung Bubers und Lévinas für die Gestalttherapie

„Ich werden am Du…Alles wirkliche Leben ist Begegnung“, schreibt Buber. Bei Lévinas entsteht ethische Verantwortung aus der Andersheit der/des Anderen. Die Dialogphilosophien von Buber und Lévinas sind geprägt von einer humanen Grundhaltung, die die/den Andere(n) in ihrem/seinem So-Beschaffen-Sein annimmt. Wie diese Ansätze zu gestalttherapeutischen Interventionen führen können, wird in Mini-lectures und praktischen Übungen vermittelt.

Hermann Wegscheider
Dr. Studium der Psychotherapiewissenschaft (Dissertation „Dialog und Intersubjektivität in der Gestalttherapie“), Geschichte und Anglistik. Psychotherapeut IG, Lehrtherapeut und Ausbilder für Integrative Gestalttherapie. Vorsitzender des IGWien (Institut für Integrative Gestalttherapie Wien). Seit 1990 in freier Praxis als Gestalttherapeut, Coach und Berater von Organisationen. Lektor an der Sigmund Freud PrivatUniversität Wien (SFU).

W09 | Vertiefung von W2 | Daniel Ritter und Hermann Paur Das Equilibrum in the brave new world – ein Blick zurück aus der Zukunft

In der Zukunft sind menschliche Emotionen und Beziehungen nur mehr bei einem kleinen Teil der Menschheit erhalten geblieben, die unter Artenschutz stehen. Die Psychotheropeutologen sind Archivare und Experten für diese anachronistische Form der menschlichen Verständigung. Inspiriert durch Filme über Zukunftsszenarien (wie Equlibrium, THX, Blade Runner) soll ein gemeinsamer Blick zurück aus der Zukunft erforschen, ob für die Menschen noch ein Nutzen für die Erhaltung dieser alten Spezies erkennbar scheint.

Hermann Paur
BA, Mag., Psychotherapeut in freier Praxis Studium der Psychotherapiewissenschaft. Absolvent der Meisterschule für Kunst und Gestaltung Graz.

Daniel Ritter
MMMag. Dr., Jurist, Dramaturg, Mediator, Psychotherapeut in freier Praxis in Wien, Leiter von Sintem – Interkulturelle Traumatherapie.

W10 | Teil 2 Gabriela Frischknecht und Heiner Lachenmeier ADHS bei Erwachsenen und Gestalttherapie

Im Workshop wird ADHS beleuchtet von neurobiologischer wie psychologischer Sicht und die sich daraus ableitenden Grundsätze in der (gestalt-)therapeutischen Behandlung. Im Fokus stehen das Verstehen der funktionellen Abläufe und das spezifische Kontakterleben der Betroffenen wie des sozialen Umfeldes (inkl. der Therapeut*innen).

Themen des Workshops

  • Was ist ADHS, oder besser: wie funktioniert ADHS?
  • ADHS als Normvariante des Menschseins mit möglichen Schwierigkeiten und konflikthaften psychischen Entwicklungen
  • Bedeutung von ADHS auf die Selbstwahrnehmung
  • Einfluss von ADHS auf Kontaktzyklus, Kontaktfunktionen und Kontaktunterbrechungen
  • Grundsätzliches bei der therapeutischen Bearbeitung von Problemen aufgrund von ADHS im Vergleich zur therapeutischen Bearbeitung von Problemen aufgrund psychodynamischer Konflikte
  • Das konkrete therapeutische, insbesondere gestalttherapeutische Vorgehen bei ADHS
  • Überlegungen zu medikamentösen Möglichkeiten

Heiner Lachenmeier
Dr. med., Facharzt FMH für Psychiatrie und Psychotherapie; Ehrenmitglied Aargauische Gesellschaft für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie. Seit 1993 eigene Praxis in Affoltern am Albis. In 90er Jahren Aufbau und Leitung des schweizerischen Ausbildungsinstitutes für analytische Kurztherapie. Seit 2000 intensive Beschäftigung mit ADHS bei Erwachsenen inkl. Praxisforschung, Vortrags- und Supervisionstätigkeit. Seit 2011 ärztlicher Supervisor am igw Schweiz.

Heiner Lachenmeier hat in rund 20-jähriger Arbeit die Gesetzmäßigkeiten und die Funktionsweise der ADHS erforscht und daraus spezifische Vorgehensweisen für die Therapie entwickelt.

Gabriela Frischknecht
Lic. phil., Fachpsychologin für Psychotherapie FSP. Ausbildung in Gestalttherapie am IGW, Fortbildungen im Katathymen Bildererleben, intensiv psychodynamischer Kurztherapie und Achtsamkeits-Meditation. Lehrauftrag an der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege, langjährige psychotherapeutische Tätigkeit an der Universitäts-Kinderklinik Zürich sowie in einer Praxis. Seit 2005 in psychiatrisch-psychotherapeutischer Gemeinschaftspraxis. Seit 2006 Ausbilderin für das IGW, seit 01.01.2012 Gesellschafterin des IGW und Mitglied der Ausbildungsleitung des igw Schweiz.

Gabriela Frischknecht hat in langjähriger Zusammenarbeit die Grundsätze der Gestalttherapie dazu kombiniert und das Behandlungskonzept verfeinert.

W11 | Johann Christian Bachl Fritz Perls – der Hungertrieb – damals – heute – morgen

Ein großes Verdienst von Fritz Perls ist die detaillierte Beschreibung organismischer Vorgänge (die er bereits in seinem ersten Buch „Das Ich, der Hunger und die Aggression“ herausarbeitet) womit er damals eine explizite Gegenposition zur weit verbreiteten Triebtheorie Sigmund Freuds einnahm.

Der Hungertrieb ist für unser Überleben als menschliche Organismen von eminenter Bedeutung. Die Gleichzeitigkeit von erstem Sattwerden und erster Kontakterfahrung außerhalb des Mutterleibes prägt nachhaltig unser Ernährungs- und Beziehungsverhalten. Die hohe Variabilität an neurogenen Verschaltungsprozessen basierend auf diesen beiden Erlebnisqualitäten formt wesentlich unser individuelles Erscheinungsbild.

In meinem Workshop möchte ich einen experimentellen Zugang zur Bewusstmachung eigener Erfahrungen in Bezug auf Hunger, Sättigung und Kontaktverhalten ermöglichen.

Johann Christian Bachl
Dr. med. IGW-Lehrtherapeut, Psychotherapeut (ECP), Psychotherapeut für Integrative Gestalttherapie und Facharzt für Innere Medizin. Jahrelange Weiterbildung und Zusammenarbeit mit Dr. Hildegund Heinl (Wegweiserin einer psychosomatischen Orthopädie und Pionierin für ein psychologisches Verständnis körperlicher Schmerzen). Zusatzqualifikationen: Psychosomatische Medizin und Psychotherapeutische Medizin (ÖÄK-Diplom). Therapeutische Arbeitsschwerpunkte in seiner freien Praxis: Angst- Panikattacken, Depression, Ess-Störungen, Psychosomatik. Als Arzt tätig an einem öffentlichen Krankenhaus in Wien.

W12 | Teil 2 Andreas Conca, Bozen Gibt es 2525 noch eine Psychiatrie und werden Psychopharmaka noch eine Rolle spielen?

Psychiatrie 2525 … ist es wahr dass das bio-psycho-soziale Modell immer noch ein valides Erklärungsmuster und die Basis für ein empirisches Behandlungskonzept psychischer Störungen ist? Welche Rolle wird dann 2525 die Globalisierung, der Klimawandel, das Digitale und die Künstliche Intelligenz bis 2525 spielen? Werden wir das Beziehungsorgan Gehirn in seiner epigenetischen Veränderung vorhersehen können oder müssen wir auch dem Zufall eine Chance geben, einem Phänomen das zunehmend wissenschaftliche Basis erfährt? Psychische Störung wie Angst, Depression und Schizophrenie werden 2525 nicht mehr existieren: spezifische und sensitive bio-psycho-soziale Vorbeugungen werden dafür sorgen. Hingegen werden transgenerationelle und migrationsbedingte Identitätskrisen neue/alte Formen von Persönlichkeitsentwicklungen und den damit verbundenen Störungen bedingen. Auch die Wissensnivellierung wird darauf Einfluss nehmen. Neue soziale und affektive Intelligenz werden nebst der KI Zieldomänen der Gesellschaftsentwicklung 2525 sein und die Psychiatrie oder wie immer die grenzüberschreitende Disziplin heißen wird, wird ihren fixen Platz dabei einnehmen.

Andreas Conca
Univ. Prof., Direktor des psychiatrischen Dienstes im Gesundheitsbezirk Bozen Koordinator des landesweiten Dienstes für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie.


Festabend

Ab 19.00 Uhr startet der Festabend mit einem Buffet und Gesangseinlagen mit Anna Lucia Nardi, begleitet von Andreas Benedikter. Im Anschluss stimmt DJ Marino Sartin den Tanz ein unter dem Motto „Tanz mal drüber nach“.


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