Frühbucher
bis 31.03.2024
490 Euro


Normalbucher 520 Euro*

*Die Teilnahmegebühr für Teilnehmer:innen in Ausbildung am IGW Deutschland, an der PTA im IGW, am IGW Schweiz, am IGWien und der GestaltAkademie Südtirol beträgt bis zum 31.07.2024 als Frühbucherrabatt 410,00 Euro ab dem 01.08.2024 betragen die Kosten 450,00 Euro.


Samstag, 21. September 2024

9:00–10:15 Uhr
Transgenerationale Traumaweitergabe und ihre Folgen
Vortrag mit Prof. Dr. Angela Moré

Traumata haben zerstörende Wirkungen auf das Vertrauen in andere und in sich selbst. Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen reagieren auf die Verletzungen ihrer Seele mit zahlreichen Schutz- und Abwehrmechanismen, die ihnen die Bewahrung eines inneren Gleichgewichts ermöglichen sollen, das immer wieder durch Erinnerungseinbrüche (Trigger) und emotionales Überschwemmtwerden (flashbacks) gefährdet wird. Können diese existentiell bedrohlichen Erfahrungen nicht nachträglich verarbeitet und psychisch integriert werden, wirken sie sich auf die Beziehungen zu den eigenen Kindern aus – oft von deren erstem Lebenstag an. Was bewirken diese traumatischen Erinnerungen in der Beziehung zu den eigenen Kindern und wie reagieren diese darauf? In Therapien begegnen wir oft Patient:innen, deren Leben von transgenerational übernommenen Traumata geprägt sind, wobei ihnen das häufig nicht bewusst ist. Erfahrungen belegen, dass die Aufdeckung der unbewussten Verstrickungen in das elterliche Schicksal heilsam wirkt.

Dr. Angela Moré
apl. Professorin für Sozialpsychologie an der Leibniz Universität Hannover, Gruppen(lehr)analytikerin (D3G) und Supervisorin. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema. Online zugänglich: Moré, A. (2013): Die unbewusste Weitergabe von Traumata und Schuldverstrickungen an nachfolgende Generationen. Journal für Psychologie 21/2, 1-34.


10:15 – 10:45 Uhr Pause


10:45 – 12:00 Uhr
Mitfühlendes Verstehen, mitfühlendes Da-Sein in der Begegnung mit traumatisierten Menschen
Vortrag mit Prof. Dr. Luise Reddemann

Traumatisierende Erfahrungen können tief verletzend wirken. Auch wenn es Menschen gibt, deren Resilienz so stark ist, dass sie, insbesondere bei freundlicher und  einfühlsamer Begleitung, keine Psychotherapie benötigen. Viele aber benötigen psychotherapeutische Begleitung und Therapie. Mitgefühl bedeutet Einfühlung plus der Wunsch und die Bereitschaft, Hilfreiches zu bewirken, es zumindest anzustreben. Im Vortrag soll reflektiert werden, was Mitgefühl bedeutet und was es bewirken kann. Sowie: Wie therapeutisch Begleitende Mitgefühl bewusst entwickeln können, da wir in einer Kultur leben, die wenig Bereitschaft zu Mitgefühl vermittelt.

Prof. Dr. Luise Reddemann
ist Nervenärztin, Psychoanalytikerin und Fachärztin für Psychotherapeutische Medizin. Seit gut 50 Jahren beschäftigt sie sich intensiv mit Trauma und Traumafolgestörungen. Von 1985 bis Ende 2003 war sie Leiterin der Klinik für Psychotherapeutische und Psychosomatische Medizin des Ev. Johannes-Krankenhauses in Bielefeld und entwickelte dort ein Konzept zur Behandlung von Menschen mit komplexen Traumafolgestörungen, die „Psychodynamische imaginative Traumatherapie“ (PITT). Sie führt zahlreiche Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen durch. Im Rahmen ihrer Honorarprofessur an der Universität Klagenfurt für medizinische Psychologie und Psychotraumatologie widmete sie sich den Arbeitsschwerpunkten Resilienz sowie Folgen von kollektiven Traumatisierungen.


12:00 – 14:00 Uhr Mittagspause


14:00–17:15 Uhr Workshops


W1 | Winfried Wagner Gefangen in einer „zerbrochenen Welt”

Das In-der-Welt-sein des Menschen vollzieht sich zwischen aufgehen-in-der-Welt und der-Welt-ausgesetzt-sein – d.h., zwischen einer Welt, in der er sich „heimisch“, vertraut und beheimatet fühlt, und einer Welt, die ihm unvertraut, fremd oder gar unheimlich erscheint. Dies ist seine existenzielle Grundsituation. Kommt der Mensch in eine existenzielle Notsituation (Grenzsituation nach Japers), dann ist er der Welt nicht mehr nur ausgesetzt, sondern von ihrer Fremdheit und Unheimlichkeit überwältigt. „Das Vertrauen zum Leben ist dann dahin, und das Leben selbst wird zum Problem“ (nach F. Nietzsche). Seiner selbst und der Welt entfremdet steckt diese Person fest in seiner „zerbrochenen Welt“ (G. Marcel).

In diesem Workshop gebe ich zunächst einen theoretischen Input, der einen existenzialpsychologischen Blick auf die Situation traumatisierter Personen wirft und Grundzüge eines entsprechenden Behandlungsansatzes aufzeigen soll. Denn nach Yalom (1989) geht es hierbei nicht mehr so sehr „um Konflikte mit unterdrückten instinkthaften Antrieben oder mit internalisierten bedeutsamen Erwachsenen“, sondern stattdessen um Konflikte, die aus den „Tiefenstrukturen“ unserer Existenz hervorgehen, den sog. „Existenzialien“. Solche sind z.B. Leiblichkeit und Bewusstsein; Sein und Haben; Faktizität und Freiheit; Selbst-sein und Mit-Sein; Absurdität und Sinn; „Geburtlichkeit“ und Sterblichkeit; Immanenz und Transzendenz („In-der-Welt-über-die-Welt-hinaus-sein“; Binswanger) usw. Zugleich bedarf es ein existenzialpsychologisches Verständnis von Befindlichkeiten wie z.B. Angst und Hoffnung, Einsamkeit und Vertrauen.

Winfried Wagner
Dipl. Psych. approbierter Psychologischer Psychotherapeut und Leiter der Existenzialpsychologischen Bildungs- und Begegnungsstätte Schweinfurt. Gestalttherapeut, Weiterbildung in verschiedenen Körpertherapien und in Jungianischer Tiefenpsychologie. Lehrtherapeut und Supervisor für Gestalttherapie und an verschiedenen tiefenpsychologischen Ausbildungsinstituten. Seminarleiter, Qi-Gong- und Aikido-Lehrer (8. Dan) und Autor der Bücher KriegerIn des Lichts, der Liebe und des Lebens. Einführung in die Initiatische Gestalttherapie, Oldenburg 2006, Bd. 10 der Reihe Transpersonale Studien der Universität Oldenburg, BIS-Verlag; Quellen der inneren Kraft. In sich selbst Halt finden, Verlag Via Nova, Petersberg 2010.


 

W2 | Prisca Buonvicini Die Kraft des kreativen Prozesses

«Wir können nur in der Gegenwart etwas bewirken, nur das, was möglich ist, und nur mit dem, was zur Verfügung steht.»
Laura Perls (Gespräch, 1982. In: A. & E. Doubrawa, 2005)

Die Traumaadaptive gestaltende Kunsttherapie TAKT © ist ein kreativer Ansatz in der Traumabehandlung. Sie erfahren Behandlungsansätze aus TAKT© anhand eines Praxisbeispiels und anhand angeleiteter gestalterischer Übungen.
TAKT© verknüpft das Wissen aus der Psychotraumatologie und der Kunsttherapie. Der traumaadaptive Ansatz TAKT© berücksichtigt die neuen Behandlungsempfehlungen nach Van der Kolk (2015) und baut auf die Grundhaltungen der Gestalttherapie auf, um Menschen mit Traumafolgestörungen in ihrem Heilungsprozess zu unterstützen. In einem sicheren Rahmen, der einen trialogischen Kontakt zwischen Maler:innen, Behandler:innen und ihren Werken erlaubt, kann auf der Gestaltungsebene neue kreative Antworten auf die traumatische Verletzung erprobt werden. Dabei soll das Wiedererlangen von Handlungsspielraum, Kontrolle und Sicherheitsempfinden gefördert und die Verbindung zum Körper, zur Umgebung, zu eigenen Zielen, Ressourcen sowie zu Mitmenschen unterstützt werden. Das Probehandeln erlaubt das Verhalten zu ändern, neue neuronale Netzwerke zu erschaffen sowie das Entwicklungs- und Heilungspotenzial auszubauen.

Prisca Buonvicini
Ausbildung als Pädagogin, Fachpsychologin für Psychotherapie und Rechtspsychologie FSP, gestaltende Psychotherapeutin GPK, Psychotraumatherapeutin, Ego-State-Therapeutin ESTI, ausgebildet in Hypnosystemische Therapie, Opferpräventive Therapie und Supervision. Ausbildung beim Gestaltinstitut IGW. Langjährige Tätigkeit in einer forensischen Institution für Erwachsene sowie in einer Gemeinschafts-Praxis u.a. mit traumatisierten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Mehrjährige Erfahrung als Dozentin beim Institut für Mal- und Kunsttherapie Apk in Thalwil, beim TAKT© Traumaadaptive Kunsttherapie (ZH) sowie in der Lehr- und Vortragstätigkeit an Fachhochschulen in der Schweiz und in Deutschland. Mehrjährige supervisorische Mandate in verschiedenen Institutionen. Lehrtherapeutin und Supervisorin IGW.


 

W3 | Krisztina Kolba Heilsame Wirkungen der Gestalttherapie im Umgang mit sexualisierter Gewalt

Dieser Workshop widmet sich der Phänomenologie des Traumas und der Traumafolgen- wie wir diesen im Praxisalltag begegnen. Wir besprechen handlungsleitende Grundlagen und Haltungen der Traumatherapie. Der Schwerpunkt des Workshops liegt bei der Therapie von Menschen die sexualisierte Gewalt erlebten. „Ein sexueller Abusus verursacht Verletzungen im sexuellen Bereich.“ Wir versuchen dieses einfache Phänomen tiefer zu verstehen und besprechen, wie wir als Therapeut:innen hilfreich und heilsam wirken können.

Krisztina Kolba
Dipl.-Psych., Studium der Psychologie an der Ludwig Maximilians Universität in München, Ausbildung in Gestalttherapie am IGW bei Almut Ladisich-Raine und Peter Toebe, klinische Gestalttherapeutin, Lehrtherapeutin. Weiterbildung in Traumatherapie (ROMPC) bei SynTraum. Nach langjähriger Mitarbeit an mehreren Kliniken mit unterschiedlichen Schwerpunkten in freier Praxis tätig. Haupttrainerin am IGW.


 

W4 | Olena Besserer Trauma und Krieg

Angesichts des aktuellen Kriegsgeschehens in der Welt nimmt die Zahl der Patient:innen mit Flucht- und Kriegserfahrung stetig zu. Durch geographische und emotionale Nähe des Kriegsgeschehens, neue Kommunikations-, Mobilitäts- und Aufenthaltsmöglichkeiten, erleben viele Menschen, die vom Krieg fliehen mussten, jeden Tag weitere Verluste, (reale) Ängste, selbst gewählte oder ihnen zugeschriebene Rollen und Aufgaben. Sie leben oft in dem Gefühl, weiterhin aktiv im Kriegsgeschehen zu sein/davon weiterhin betroffen zu sein. Auch in der therapeutischen Beziehung ist der Krieg im Hier und Jetzt mit allen dazugehörenden Gefühlen präsent.

Schwerpunkte des Workshops sind die Besonderheiten, Herausforderungen, Grenzen aber auch Selbsterleben der Therapeut:innen in der therapeutischen Arbeit im Feld eines aktiven Krieges.

Mithilfe von kurzen Fallsequenzen, Erfahrungs- und Erlebensaustausch, Experimenten und Selbstreflektion werden wir das Feld unserer Arbeit gemeinsam erforschen und erweitern.

Zu dem Workshop sind auch interessierte Therapeut:innen eingeladen, die (noch) nicht mit der Zielgruppe arbeiten.

Olena Besserer
Dipl. Psych., Studium der klinischen Psychologie und Psychotherapie sowie klinischen Entwicklungspsychologie an der LMU München; Ausbildung in der klinischen Gestalttherapie am IGW Würzburg; seit 2020 in der Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin (TP); seit 2015 am Klinikum rechts der Isar München, aktuell in der Tagesklinik für Traumafolgestörungen sowie in der Ambulanz und Konsiliardienst für traumatisierte Geflüchtete aus der Ukraine tätig; seit 2018 nebenberuflich in freier Praxis tätig.


 


17:15–17:30 Uhr Pause


17:30–19:00 Uhr
Kunst-Projekt „Schutzschilder“
mit Susanne Dörfler

Das Schutzschild als materielle und sichtbare Form der Abgrenzung. Alle Verletzungen stellen die Frage nach einem passenden Schutz, nicht zuletzt als Raum für die Heilung unserer Wunden.

Symbolhaft werden bei dem Projekt verschiedenste Schutzschilder vorgestellt, die ausprobiert und getragen werden dürfen:
Was fühlt sich gut und stimmig an – was ist adäquat – was dysfunktional – was ist wirklich sicher?
Welche Qualitäten, Ressourcen und Strategien werden spürbar?

Eine Einladung zum Experimentieren!
Anderen begegnen – eigene Schutzmechanismen reflektieren – sich erleben.

Susanne Dörfler
Gestalt-Kunsttherapeutin (DVG), Werklehrerin, 10 Jahre Tätigkeit in Kreativ-Werkstätten der Sozialpsychiatrie. Seit 2008 eigene Gestalt-Kunsttherapeutische Praxis, seit 2011 zusätzlich Kunstatelier für Erwachsene und Kinder. Praxisstelle, Lehrtherapeutin und Supervisorin für Kunsttherapeuten in Ausbildung bei mehreren Instituten des DFKGT (Deutscher Fachverband für Kunst- und Gestaltungstherapie). Seit 40 Jahren eigene künstlerische Arbeiten und mehrere Ausstellungen:
:: Körperbemalung als Körpererfahrung
:: Skulpturen zu Körpergefühlen


19:00 Uhr Abendpause mit Fingerfood


20:30 Uhr DJ und Tanz


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